Kräuter aus der Natur - Kraftpakete für unsere Gesundheit

Die Corona-Krise stellt uns alle vor große Herausforderungen. Das Freizeitangebot ist aufgrund der Kontaktverbote und Ausgangsbeschränkungen drastisch reduziert. Restaurant-, Kino- oder Theaterbesuche fallen weg. Wir dürfen jedoch weiterhin an der frischen Luft Sport treiben und sogar zu zweit oder in der Familie spazieren gehen. Und diese Spaziergänge können wir so gestalten, dass sie gleich in mehrfacher Hinsicht unser Immunsystem stärken. Denn in der Natur finden wir jede Menge Kräuter, die wahre Kraftpakete für unsere Gesundheit sind.

Kräuter sammeln© fotohunter/Shutterstock

Am 16. März war mein Geburtstag. Es war gleichzeitig der letzte Tag, an dem mein Sohn in die Schule gegangen ist. Seitdem ist er zu Hause im Homeschooling, und mein Mann und ich arbeiten ebenfalls von zu Hause aus. Wir wohnen mitten in der Stadt. Wir haben zwar einen schönen Balkon, aber keinen Garten. Also müssen wir uns schon etwas einfallen lassen, damit uns nicht der Lagerkoller ereilt. Denn dieser sitzt uns quasi permanent im Nacken, wenn die komplette Familie rund um die Uhr zu Hause ist. 

Wir haben das Glück, dass unser Viertel von Wäldern und Weinbergen umgeben ist. Auch vor Corona waren wir schon häufig im Wald, zumindest am Wochenende. Wir lieben es, ausgedehnte Spaziergänge durch die Wälder rund um unseren Stadtteil zu unternehmen (mein Sohn zugegebenermaßen meistens erst nach lautstarken Anfangsprotesten). Wenn wir von einem solchen Ausflug in den Wald zurück kommen, sind wir immer alle glücklich und zufrieden. Sämtliche Spannungen, die sich über den Tag aufgebaut haben, sind gelöst, und wir fühlen uns einfach ausgeglichener als zuvor. Deshalb haben wir gleich zu Beginn der Corona-Krise beschlossen, täglich einen ausgedehnten Waldspaziergang zu machen. 

Dieser Spaziergang ist seitdem das tägliche Highlight in unserer kleinen Familie. Die anfänglichen Proteste meines Sohnes haben mit der Zeit nachgelassen. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass es momentan einfach keine attraktiveren Alternativen gibt. Zum anderen hat er mit der Zeit selbst gemerkt, wie gut ihm diese Spaziergänge tun und wie spannend es ist zu beobachten, wie sich die Natur jetzt im Frühling Tag für Tag verändert. So bleiben die täglichen Spaziergänge interessant, obwohl wir immer wieder die gleichen Wege gehen. 

Fast jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken. Und wenn man mit aufmerksamen Blick durch die Natur geht, findet man auch immer wieder neue Heilkräuter, die am Wegrand stehen. Alles fing mit dem Bärlauch an. Seit Jahren freuen wir uns immer wie die Kinder, wenn es den ersten Bärlauch gibt. Und wir haben von unseren Spaziergängen reichlich davon mit nach Hause gebracht. Daraus entstand die Idee, dass wir ja auch andere Heilkräuter sammeln könnten. Also haben wir unsere Kräuterbücher zur Hand genommen und recherchiert, welche Kräuter jetzt im Frühling wachsen (auch eine Form von Homeschooling!). Und so wird ein normaler Waldspaziergang dann zu einer spannenden Schatzsuche. 

Die Kräuter, die uns die Natur kostenlos zur Verfügung stellt, schmecken nicht nur gut, sie steckten auch voller wertvoller Vitalstoffe, die unser Immunsystem stärken können: Vitamine, Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe fördern auf vielfältige Weise unsere Gesundheit. Mit einem guten Wildkräuter-Führer kann man sich einen Überblick über die einzelnen Pflanzen verschaffen. Wenn man sich unsicher ist, welche Pflanze man vor sich hat, hilft eine Bestimmungs-App auf dem Smartphone. Wir haben es selbst ausprobiert. Unsere App hat bis jetzt alle Pflanzen korrekt erkannt - zumindest soweit wir das einschätzen können. Und Kindern macht es natürlich besonders großen Spaß, wenn sie die Pflanze abfotografieren und über die App im Handumdrehen bestimmen können. 

Für Anfänger gibt es einige Wildkräuter, die leicht zu erkennen sind, fast überall wachsen und in der Küche vielseitig verwendbar sind. Ich habe drei Wildkräuter exemplarisch herausgesucht:

Brennnessel

Die Brennnessel kennt eigentlich jeder und wird heutzutage meist als lästiges Unkraut  betrachtet, obwohl sie bereits seit der Antike als Heilpflanze verwendet wird. Sie steckt voller wertvoller Vitalstoffe, hat reinigende Wirkung und kann die Bildung von Entzündungsstoffen hemmen. Sie kann mit großen Mengen Eisen punkten. Eisen ist unter anderem für den Sauerstofftransport in unserem Blut erforderlich. Sie enthält außerdem Vitamin C, Zink und Selen. Diese Vitalstoffe sind für unser Immunsystem sehr wichtig. 

In der Volksheilkunde findet die Brennnessel vielseitige Anwendung: zur Blutreinigung, bei rheumatischen Beschwerden, bei Blasen- und Harnwegsproblemen, bei Hautproblemen (vor allem mit Juckreiz) und sogar bei Prostatabeschwerden. Außerdem wird sie äußerlich zur Pflege der Haare und der Kopfhaut verwendet und soll sogar den Haarwuchs fördern. 
 
Brennnesseln können wir vom Frühjahr bis in den Herbst sammeln. Verwendet werden vor allem die Blätter vor der Blüte, aber auch die Wurzeln und die Samen. Wir sollten dabei nur die Triebspitzen ernten, da die unteren Blätter beim Kochen einen unangenehmen Fischgeruch entwickeln können. Und es empfiehlt sich, beim Pflücken Handschuhe zu tragen, damit man sich nicht verbrennt. Beim Waschen und Erhitzen verliert die Brennnessel ihre brennende Eigenschaft.

Man kann die Blätter der Brennnesseln frisch oder getrocknet als Tee trinken oder zum Würzen in Suppen oder Saucen verwenden. Die frischen Blätter kann man wie Spinat als Gemüse oder sogar als Pesto mit einem guten Öl und Nüssen genießen.

Knoblauchrauke

Wenn man sie einmal bewusst wahrgenommen hat, sieht man sie fast überall. Im Wald findet man sie häufig am Wegrand. Charakteristisch ist ihr hoher Wuchs mit hübschen weißen Blüten. Der würzige, leicht knoblauchartige Geschmack gibt der Pflanze ihre Namen. Sie gehört wie die Kohlarten, Rettich und Senf zu den Kreuzblütlern und enthält unter anderem Senfölglykosid. Dieser sekundäre Pflanzenstoff wirkt antibakteriell und soll sogar krebshemmende Eigenschaften haben. In der Volksheilkunde werden der Knoblauchrauke wundheilende, schleimlösende und desinfizierende Eigenschaften zugeschrieben.

Die Pflanze sollte frisch gepflückt verwendet werden. Eine Verwechslung ist kaum möglich, denn die Blätter verströmen einen knoblauchartigen Geruch, wenn man sie zwischen den Fingern zerreibt. Wir pflücken auf unseren Spaziergängen durch den Wald gerne einen großen Knoblauchrauken-Blumenstrauß. Man kann die Blätter entweder sofort frisch verwenden oder man stellt den Strauß erst einmal in ein Glas Wasser und verarbeitet die Blätter später. So hat man auch noch etwas fürs Auge.

Die frischen Blätter eignen sich zum Würzen von Saucen, Suppen und Salaten. Sie eigenen sich auch hervorragend zur Herstellung von Dips, Pestos und Aufstrichen. Hierzu kann man sie mit unterschiedlichen Nüssen und Samen, gutem Olivenöl sowie etwas Zitronensaft, Salz und Pfeffer kombinieren.  

Gundermann oder Gundelrebe

Diese hübsche Pflanze mit ihren typischen lila Blüten findet man häufig am Wegrand. Sie enthält große Mengen ätherisches Öl, wodurch sie einen sehr würzigen, leicht pfeffrigen und etwas bitteren Geschmack hat. Sie ist reich an Mineralstoffen und Vitamin C und hat hustenreizstillende, schleimlösende, entwässernde, adstringierende und wundheilende Eigenschaften. 

Als Heilkraut ist die Pflanze fast in Vergessenheit geraten,  wird aber traditionell vor allem bei Erkrankungen der Atemwege verwendet, da sie sich positiv auf die Schleimhäute der Luftwege wie Rachen, Hals und Bronchien auswirkt. (Das können wir aktuell sehr gut gebrauchen!) Außerdem wirkt Gundermann entwässernd und regt den gesamten Stoffwechsel an. 

Ebenso wie die Knoblauchrauke kann man Gundermann als Strauß auf die Fensterbank stellen und die Blätter nach und nach zum Würzen verwenden. Sie passt in Dips, Pestos und Aufstriche und kann zum Würzen von Saucen und Suppen hervorragend verwendet werden. Übrigens kann man die Blätter und die Blüten verwenden. Das schmeckt dann nicht nur gut, sondern sieht auch noch hübsch aus.  

Kräutersammeln stärkt unser Immunsystem in vielerlei Hinsicht

Wir bewegen uns an der frischen Luft, wir tanken Sonne und füllen so unsere Vitamin D-Speicher, und die Kräuter stärken mit ihren Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffe unsere Abwehrkräfte. Außerdem wirkt sich allein der Aufenthalt in der Natur positiv auf unser Immunsystem aus. Die Wissenschaftler nennen das den Biophilia-Effekt. Sie konnten an Probanden nachweisen, dass sich nach einem ausgedehnten Spaziergang in der Natur gesundheitliche Parameter wie zum Beispiel der Blutdruck nachweislich verbessert haben.  

Wenn wir nach einem langen Spaziergang mit den Schätzen der Natur nach Hause kommen, macht es uns großen Spaß, diese zu sortieren und dann in ein leckeres Gericht zu verwandeln. Wie wäre es zum Beispiel mit einem leckeren Brennnessel-Spinat? Oder einem Pesto aus Knoblauchrauke? Oder mit einem Wildkräuter-Hummus? Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Es macht uns glücklich und stolz, dass wir uns das Wissen über die Heilkräuter der Natur angeeignet haben und etwas Leckeres daraus zubereiten können. Und wenn wir glücklich sind, wirkt sich das ebenfalls positiv auf unser Immunsystem aus. 

Wenn man sich mit den Kräutern der Natur beschäftigen möchte, ist es wichtig, einfach den ersten Schritt zu machen. Man muss kein Heilkräuter-Experte sein, um anfangen zu können. Es reicht völlig aus, mit einer Pflanze zu beginnen. Denn nach der ersten folgt ganz sicher die nächste, und mit der Zeit können wir uns so ein profundes Wissen über die Heilkräuter der Natur aneignen. Und wenn wir Freude daran haben, diese Schätze der Natur zu kennen und zu verstehen, können sie zu unseren ständigen Begleitern im Jahreskreislauf werden. Und vielleicht bleiben uns die Wildkräuter dann auch nach der Corona-Krise als kleine Helfer für unsere Gesundheit erhalten. 

Wenn wir uns nicht zu 100 % sicher sind, welche Pflanze wir vor uns haben, sollten wir sie lieber stehen lassen, denn in der Natur gibt es durchaus auch ungenießbare und giftige Pflanzen. Wenn ein Bestimmungs-Buch und/oder eine Bestimmungs-App nicht für ausreichende Klarheit sorgen, kann man an einem geführten Wildkräuter-Spaziergang teilnehmen. Heilpflanzen-Experten zeigen uns dabei nicht nur, wo welche Kräuter wachsen, sie erklären uns auch, wie diese wirken und wie man diese in der Küche verarbeiten kann. 


Ihre Eva Ehehalt
(Eva ist Ernährungsberaterin, Autorin und Bloggerin. Auf Ihrer Seite findet Ihr viele tolle Tipps und Rezepte: www.leckervital.com)