Lust in Aktion: Ganz konkrete Ideen

Remisens - Ratgeber

Doller, wilder, abge­fahrener? Sex-Tipps können so platt sein. Doch oft helfen sie nicht, das Zusammen­sein inniger zu ge­stalten. Wir wollen ja keine Höchst­leistungen voll­bringen, sondern es einfach ein bisschen schöner haben.

Sexuelle Unlust: Ein Spaziergang zu zweit kann Impulse setzen, um sich wieder näher zu kommen.© prostock-studio/fotolia.com
Sexuelle Unlust kann zu Spannungen in der Beziehung führen – hier finden Sie konkrete Ideen Ihrer Libido wieder auf die Sprünge zu helfen.

Sinn­voller sind deshalb feine Anre­gungen, die man gut um­setzen kann, wie diese: hier sind eine Hand voll realistische Ideen fürs nächste Mal.

1. Vorschau der Lust

Über­haupt gut, Sie sind im Vorteil, weil Sie sich schon mal theoretisch mit der Praxis der Liebe beschäftigen. Das ist die beste Vor­bereitung auf ein erfülltes Zusammen­sein: zu visualisieren, was Sie mit dem Partner tun und was Sie lassen möchten. Manche Handlung läuft vielleicht zu automatisiert ab oder passt nicht mehr zu Ihnen. Was sind Ihre Bedürfnisse? Es ist einfacher, danach zu handeln, wenn Sie sich darüber (ehrlich!) im Klaren sind.

2. Atmen als Basis der Erregung

Atmen geht wie von selbst? Nicht immer. In der An­spannung vergessen wir oft, uns innerlich zu lüften. Doch das ist die Basis der Lust. Denken Sie auf dem Weg in die Erregung ab und zu daran: Atmen Sie entspannt? Wenn nicht, üben Sie eine tiefe, entspannte Atmung. Das hilft im Übrigen auch in Stress­momenten, weil ein ausgeglichener Atem den Geist beruhigen kann. So geht es: Lassen Sie beim Einatmen die Luft einströmen wie Wasser, das langsam ein Becken füllt. Der Pegel steigt ganz allmählich, mühelos. Darum hebt sich auch nicht der Brust­korb, sondern erst der untere Bauch, später die Flanken. Damit aktivieren Sie zugleich die tiefen Muskeln im Beckenboden, die Spaß machen – sie werden besser durchblutet. Das kann zu einem tieferen Empfinden der Lust führen. Sprich­wörtlich atemlos ist man erst zum Schluss.

3. Sich gut zuhören

Aus dem Yoga kommt die Idee, die Stimm­lippen beim Ein- und Ausatmen klingen zu lassen. Es klingt wie ein leichtes Reiben, Hauchen oder zartes Stöhnen. Der Dreifach-Benefit bei der sogenannten Ujjayi-Atmung: Sie atmen ruhig, Sie sind ganz auf das eigene Empfinden konzentriert und Sie erzeugen zusätzlich eine sanfte Grund­spannung zwischen Zwerch­fell und Genitalien. Die vierte Wirkung: wetten, Ihr Partner findet es spannend, Sie sanft zu hören?

4. Hingabe im Moment

Viele, wenn auch kleine Studien deuten darauf hin, dass Yoga, Achtsamkeits­training oder Meditations­übungen die sexuelle Zufrieden­heit erhöhen. Sie trainieren die Beckenboden­muskeln, erhöhen die Durch­blutung, stärken Konzen­tration und Körper­bewusstsein. Sie stellen nicht nur den Körper, sondern auch den Geist immer wieder auf „Reset“. Es entsteht Klarheit: Sie leben im Jetzt, Sie können sich ohne Sorgen und Erwart­ungen – auch – in die Situation der Lust begeben. Erwarten Sie vorurteils­frei, was sich beim intimen Zusammen­sein ergibt statt auf ein Finale hinzu­arbeiten. Sie werden den Moment intensiver erleben.

5. Neuposition ohne Stress

Hier ist eine Stellung, die nicht zu gewagt, aber doch ein wenig anders ist: Der Partner liegt auf der Seite mit leicht gebeugten, parallel an­gezogenen Knien, den Kopf aufgestützt. Sie legen sich auf dem Rücken quasi im rechten Winkel zu ihm und heben die Knie über seine Hüfte und schmiegen den Po an seinen Schoß. Das ist ein bisschen wie von hinten einzudringen, jedoch sanfter, ge­meinsamer und be­quemer.

6. Bewegliche Hüfte

Die Methode Sexocorporel ist der aktuellste An­satz der Sexual­beratung. Sie postuliert, dass das tiefste Empfinden entsteht, wenn man Becken und Oberkörper in der Lust bewegt, in einer Art doppelten Schaukel oder Wellen­bewegung mit rhy­thmisierter Atmung, ohne Block­aden, die hemmen. Es wäre zu kompliziert, das aus­führlich zu erklären, doch eines kann man mitnehmen: die Überlegung, Hüfte und Schulter­gürtel möglichst locker zu bewegen beim Beisammen­sein in der Lust. Laut Sexocorporel kann man so mit dem ganzen Körper erotisch empfinden.

7. Heimliche Massage

Wenn wir gerade dort sind... Sie könnten auch mit seiner und Ihrer Er­regung spielen. Ihr Partner darf (erst einmal) still­halten, Sie steuern Ihre Becken­boden-Muskeln an. Tick und wieder los­lassen, Tick und wieder los­lassen. Spannen Sie nicht zu fest an, das blockiert, sondern eher halb-locker. Sie könnten auch kleine Wellen erzeugen, die Muskeln sanft nach oben ziehen. U-ha, oder? Diese Bewegungen kann man trainieren, ohne dass es jemand mitbekommt, sie kräftigen die Muskeln und stärken das Bewusstsein für die eigene erotische Kraft. Übungen dazu finden Sie im Internet mit und ohne Videos, Stichwort Becken­boden oder Mula Bandha im Yoga. Ihr Partner wird staunen.

Christiane Kolb
Freie Autorin/ Beraterin/ Referentin für sexuelle Bildung