Lust im Austausch: wie man intime Fragen leichter bespricht

Remisens - Ratgeber

Beim Sex ist man sich ganz nah. Aber wie kommt man sich darüber auch verbal nahe, ohne einander zu nahe kommen? Ganz schön schwierig. Aber Aufklärung hilft. Kommunikation ist sowieso die Essenz einer guten Beziehung. Danach ist die Luft rein, mehr Vertrauen da.

Doch wie spricht man gut über Liebeslust- und -frust? Mit diesen Grundgedanken im Kopf können Sie Unstimmigkeiten leichter ansprechen – auch wenn sie unter die Gürtellinie zielen.

Junges Paar bespricht im Bett wie es mit der Beziehung läuft.© silverkblack/fotolia

Beim Sex ist man sich ganz nah. Aber wie kommt man sich darüber auch verbal nahe, ohne einander zu nahe kommen? Ganz schön schwierig. Aber Aufklärung hilft. Kommunikation ist sowieso die Essenz einer guten Beziehung. Danach ist die Luft rein, mehr Vertrauen da.

Doch wie spricht man gut über Liebeslust- und -frust? Mit diesen Grundgedanken im Kopf können Sie Unstimmigkeiten leichter ansprechen – auch wenn sie unter die Gürtellinie zielen.

 

Gute Gesprächsbasis: Jeder haftet für seine Erregung

Zuerst sollte man anerkennen, dass in der Sexualität jeder für seine Gefühle und Handlungen selbst verantwortlich ist. Kein Mensch kann wissen, was der oder die Liebste braucht. Ein Beispiel: Schiebt man eine Hand weg, weiß der Partner nicht, warum. Kitzelt es? Tut es weh? Gilt das nur heute? Die Hand kommt nicht wieder, er möchte nichts falsch machen. Darum sollte man Vorlieben und Antipathien aussprechen. Ach so ist das! Diese Erkenntnis kann sogar eingespielten Paaren kommen.

Darum: Helfen Sie einander, möglichst viel passend zu machen. Zu überlegen und äußern, was richtig ist, gehört zur eigenen Verantwortung.

 

Gute Gesprächsbasis: Machen Sie einen Bogen um Kritik


Mit unserem sexuellen Ich stehen wir nackt da. Ist es blamabel, was man will (oder nicht will)? Ist es blamabel, wenn man nicht übereinstimmt? Wohl eher normal. So aufgeklärt wir sind, es gibt immer noch viele Tabus und Ängste. Also sollte man extra vorsichtig agieren um Abwehr zu vermeiden. Statt das Problem wie eine Wand in den Beziehungsraum zu stellen, ist es besser dem Partner zu erklären, was im eigenen Kopf und Körper passiert.
 

Darum: Das Angebot von Handlungsalternativen wirkt positiver als abwehrende Formulierungen.

  • „Ich glaube, es wäre besser für mich, wenn wir es mal so probieren, denn dabei fühle ich mich...“
  • „Vielleicht testen wir einmal diese Stellung?
  • „Ich möchte ausprobieren, mich erst mehr zu stimulieren, ich brauch’ halt länger.“

 

Gute Gesprächsbasis: Keiner ist schuld

Warum fühlt man, wie man fühlt? Warum tickt man, wie man tickt? Schwer zu beantworten. Keiner will etwas Böses. Die Fragen zeigen aber, dass es im Normalfall an keinem liegt und zugleich an beiden. Es gibt einen Teil, der agiert und einen anderen, der kein Feedback gibt.

Darum: Beide sind beteiligt und darum beide aufgerufen, Missstände zu beseitigen. Es geht nicht darum, über Schuld zu streiten, sondern sich um die gemeinsame Zukunft zu kümmern: Was können wir anders machen?

 

Gute Gesprächsbasis: Die beste Zeit und der bester Ort

Der richtige Moment ist, wenn es gut ist zwischen Ihnen, Sie sich vertraut fühlen. Nutzen Sie einen Abend, eine schöne Stunde, Situation, in der Sie Spaß miteinander hatten. Kündigen Sie nicht groß an, kein Krisengespräch, sondern erzählen Sie, was sie bewegt. Auch Spaziergänge sind gut. Dabei schaut man einander nicht unentwegt erwartungsvoll ins Gesicht sondern geht der Zukunft entgegen. Pausen und Seufzer haben Platz im weiten Land.

Darum: Nutzen Sie eine gute Situation wie eine Welle, auf der Sie surfen. Hopp hinauf und sagen: „Schatz, ich habe etwas auf dem Herzen...“

 

Gute Gesprächsbasis: Reden muss man üben


Es ist wie Balancieren: Man muss es üben, man fühlt sich wackelig dabei. Das kommt, weil wir kaum gelernt haben, über Sexualität zu sprechen. Von den Eltern? Die haben oft nicht einmal Begriffe für „da unten“ vermittelt. Aus Filmen? Da verstehen sich Liebende ohne Worte. In Büchern? Weiß der Eroberer oft besser als die Eroberte, was sie erregt. Dabei kann kein Mensch fremde Wünsche hellseherisch erkennen. Auch kein Mann.
 

Darum: Spannen Sie das Seil der Erwartung nicht hoch, dann fallen Sie nicht weit. Tun Sie es öfter. Kurz reicht. Das etabliert das Gespräch über Lust als normal.

Und nur Mut, nennen Sie die Dinge beim Namen, Schamlippen klein und groß, Klitoris, G-Punkt oder vordere Vaginalwand, Penis, Eindringen, Stöße, Verhütung, Trockenheit und Feuchtigkeitsgel. Alles daran ist legitim.
 

Christiane Kolb,

Autorin und Beraterin mit Masterabschluss
„Angewandte Sexualwissenschaft“ aus Hamburg